Reiseführer Südnorwegen

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Die Götterversammlung in Asgard

 

W. Gerhard (ca. 1800)


Hermode

Den Bilderhimmel, den uns alte Skalden
In feurig schönen Liedern aufbewahrt,
Der Väter Götter, nordische Gestalten,
Nicht weich und zierlich wie der Griechen Art,
Nein, kühn und roh und kriegerisch gehalten,
Und doch die Kraft mit Liebesreiz gepaart,
Führt Euch, im Adlerhelm und Schild, Hermode
Zum Maskenspiel herein als Götterbote.

Odin

Zuerst erscheint auf einem Purpurthrone
In Königspracht Odin, der Sonne Bild.
Sein rechtes Auge gab er hin zum Lohne
Für einen Trunk vom Weisheilsquell gefüllt;
Der Tapferkeit schenkt er die Siegerkrone,
Der Feigheit aber ist er gram und wild,
Und, über Helden nur das Schild zu breiten,
Fliegt er oft selber in die Schlacht zu reiten.

Frigga

An seiner Seite thront der Götterfrauen
Erhabenste in stiller Majestät;
Ein Bild der Erde ist sie anzuschauen,
Wo Blüthenduft um reife Früchte weht.
Sie sendet Jedem Trost, der mit Vertrauen
Der Güt'gen naht und ihre Huld erfleht,
Und rettet Götter selbst aus bösen Schlingen
Durch ihrer Vögel zauberische Schwingen.

Zwerge

In Schmiedehölen, zwischen Fels und Bergen,
Von roher Kraft der Riesen nicht gestört,
begegnen wir den unverdrossnen Zwergen,
Die hämmern manches gute Zauberschwerdt,
Und wissen klug den Wand'rer zu verbergen,
Wenn ihm ein böser Alf der Rückzug wehrt;
Hier bringen sie mit freundlichem Behagen
Des Heldenvaters goldnes Schwerdt getragen.

Thor

Thor tritt nun auf, vor dem die Riesen zittern,
Wenn er den goldenen Miöllner schwingt,
Zu dessen Flammenthron' in Ungewittern
So manches Hirten Klagebitte dringt.
Der Donner rollt, die alten Eichen splittern,
Das Meer erbraust, sobald der Mächtge winkt.
Doch fern von Euch sey heute solcher Jammer:
Er neigt mit Sanftmuth gegen Euch den Hammer.

Modi und Magn

Dem kühnen Donn'rer folgen Muth und Stärke,
Zwei wack're Knaben, heiter wie der Tag.
Sie geben Acht auf ihres Vaters Werke
Und amen sie im Stillen treulich nach,
Nicht fragend, ob man es in Asgard merke,
Was ihnen eine Zauberin versprach:
Dass nämlich sie, wenn einst die Götter sterben,
Des Vaters goldnen Hammer würden erben.

Freia

Ihr wünscht mich um die Holde zu befragen,
Mit blauem Äug' und blondgelocktem Haar?
Wie Eure Herzen höher für sie schlagen,
Entzückt sie auch die ganze Götterschaar;
Die Liebesgöttin ist's; -- der darf es wagen
Beglückt zu hissen, dem sie günstig war:
Doch wo, wo gäb es Liebe sonder Sehnen?
Selbst Freia weint um Oddur goldne Thränen.

Braga

Wie sanft und lieblich rauschen Braga's Saiten,
Sobald ihm jene Zauberin gelacht!
Er lässt sich gern von ihrem Lächeln leiten,
Ihm leuchtet's glänzend durch die dunkle Nacht,
Bis ernster, wenn Walhalla's Helden streiten,
Die Harfe tönt zur blut'gen Eisenschlacht,
Und kühne Thaten weit, auf Adlerschwingen
Der Siegeshymne, durch die Wolken dringen:

Idunna

Idunna folget mit der goldnen Schaale,
Umflossen von dem lichten Sternenkleid,
In Lieb' und Jugendfülle dem Gemahle,
Der ihr die schönsten seiner Lieder weiht.
Sie reicht den Asen bei dem Heldenmahle
Die goldnen Aepfel der Unsterblichkeit,
Und wird auch denen nach dem Erdenleben
Die ihr vertrau'n, die ew'ge Jugend geben.

Tyr

Ihr Mädchen, zittert nicht auf euern Sitzen,
Wenn ihr den Tyr, den Unerschrocknen schaut!
Wo Pfeile sausen, und wo Lanzenspitzen
Die Eisenpanzer spalten, jauchzt er laut,
Und schwingt die Streitaxt, und die Augen blitzen,
Er schonet nicht den Bräutigam der Braut,
Und kämpft mit Ungeheuern und mit Drachen,
Und steckt die Hand in eines Wolfes Rachen.

Forsete

Ihm aber folgt in zarter Jugendblüte
Der Gott der Sanftmuth und Versöhnlichkeit.
Fremd ist die Zwietracht seiner Himmelsgüte:
Er hat noch nie ein Götterpaar entzweit;
Er hasset Mord und Krieg, und goldner Friede
Verbannet auf sein Zauberwort den Streit.
O möchten wir auf vaterländ'schen Auen
Ihm immerdar, den Segensspender, schauen!

Frey und Gerda

Dann wird der Fleiss sich auf den Feldern regen;
Die sonst der Kriegesrosse Huf zertrat;
Es wechseln fruchtbar Sonnenschein und Regen,
Zur goldnen Erndte reift die junge Saat,
Der Weinstock windet sich um blut'ge Degen,
Die Hirtin lächelt, wenn der Schäfer naht,
Und Frey und Gerda führen Liebesflammen,
Bei stiller Nacht, im Blüthenhain zusammen.

Niord und Skada

Und Handel blüht, es schwimmt auf grünen Wogen,
Von Niord's Gunst beschützt, der Schiffe Heer.
Hat auch die Welle Tausende betrogen,
Man wagt sich drauf, denn Schätze birgt das Meer;
Der Jäger aber zieht mit Pfeil und Bogen,
Der Skada Liebling, wohlbewehrt einher,
Im dunkeln Wald der Eichen und der Fichten
Auf Bär und Eber Pfeil und Speer zu richten.

Elfen

Und kehrt er heim im bleichen Mondenscheine,
So tanzt um ihn ein silbern Mädchenchor:
Aus jedem Baum' im alten Förenhaine
Springt eine Elfe leicht und Iustig vor.
Am Gürtel blitzen bunte Edelsteine,
Die Schleier flattern wie ein Nebelflor;
Bald einzeln, bald vereint, im Drehn Und Neigen;
So schlingen sie den muntern Elfenreigen.

Heimdall

Jetzt naht sich Heimdall, der mit scharfem Blicke
Nach Jötunheim, dem Riesenlande, schaut;
Sein Aufenthalt ist bei der Götterbrücke,
Die siebenfarbig sich im Aether baut;
Und würde sie bestürmt von Riesentücke,
Stösst er in's Giallarhorn: der Schreckenslaut
Dringt nach Walhalla, die Gefahr zu melden,
Und Odin wappnet sich mit seinen Helden.

Thrym

Weil wir nun eben von dem Riesen sprechen,
Hier seht Ihr Thrym, der Thor den Hammer stahl;
Man musste Freia ihm dafür versprechen,
Denn auch ein Riesenherz fühlt Liebesqual:
Der Donnerer aber geht, den Schimpf zu rächen,
In Freya's Kleidern zu des Riesen Mahl,
Und tödtet Thrym in hochzeitlicher Kammer
Mit dem zur Morgengab' empfangnen Hammer.

Loke

Jetzt nähert Loke sich Walhalla's Schwellen;
Schau't ihn nicht an, verwendet das Gesicht!
Er pflegt der Unschuld boshaft nachzustellen,
Und Gott zu seyn, verdient der Falsche nicht;
Verläumderisch trübt er der Wahrheit Quellen,
Und List und Lüge ist es, wenn er spricht;
Auch banden ihn die Götter, ohne Gnade,
Auf einen Fels, damit er nicht mehr schade.

Hela

Ein Bild des Todes, grässlich anzusehen,
Folgt Hela ihm, mit Schlangen in dem Haar;
Aus Nifelheim, wo gift'ge Dünste wehen,
Kömmt sie, und mischt sich in die Götterschaar.
Den hält sie fest und 's ist um ihn geschehen,
Der einmal ihrer Hut befohlen war.
Doch heute dürft ihr nicht vor ihr erschrecken:
Solch Maskenfest mag selbst die Todten wecken.

Nornen

Drei Jungfrau'n treten nun mit ernstem Schritte
In diesen Tempel der Ergötzlichkeit.
Die heit're Gegenwart geht in der Mitte,
Am Arme Zukunft und Vergangenheit.
Sie richten streng, und keines Menschen Bitte
Besticht ihr Ohr am Wunderborn der Zeit;
Dort sitzen sie geheimnissvoll, und hüten
Des ew'gen Lebensbaumes reiche Blüten.

Walkyren

Und die Walkyren weben unverdrossen
Aus Menschenblut des Leichentuches Pracht;
Dann reiten sie auf ihren Zauberrossen
Nach Mittag halb, und halb nach Mitternacht,
Und wenn ein Held die Augen hat geschlossen.
So tragen sie ihn sanft aus blut'ger Schlacht,
Durch blauen Aether nach Walhalla's Garten,
Wo seel'ge Götterfreuden seiner warten.

Einherien

Dort wandelt er zum Schildgeschmückten Saale,
Er schaut des Heldenvaters Majestät,
Und Braga beut im glänzenden Pokale
Ihm Friedensgruss und süssen Göttermeth.
Die Heldenzunft versammelt sich zum Mahle,
Wo laute Lust an allen Tafeln weht.
Und die Walkyren mit den holden Mienen
Den trunknen Helden Göttern gleich bedienen.

Not und Dagur

Nun aber folgt ein Paar, das müsst ihr kennen:
Der Tag ist's, und die Sterndurchwob'ne Nacht.
Wenn uns des Sohnes heisse Strahlen brennen,
Wird Kühlung von der Mutter uns gebracht;
Sie hüllet Herzen, die am Tag' sich trennen,
In ihres Mantels dunkle Liebespracht,
Und des geschäft'gen Tages Plag' und Kummer
Verscheucht die Trösterin durch süssen Schlummer.

Surtur

Zuletzt erscheint mit grimmiger Geberde
Surtur aus Muspelheim, die Feuermacht.
Er hat mit seinem blut'gen Flammenschwerdte
Den Untergang den Göttern zugedacht.
Die Welt verbrennt, und eine neue Erde
Steigt aus dem Meer' in junger Frühlingspracht,
Und nun regiert das Wesen aller Wesen:
Allvater, der von Ewigkeit gewesen.

 

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