Reiseführer Südnorwegen

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Südnorwegen, der erste Urlaub.

 

Ich möchte mal von meinen Erfahrungen berichten, als ich in Südnorwegen begonnen habe.


Dazu sei gesagt, ich habe viele negative Erfahrungen gemacht, die aber durch die positive Einstellung zum Land von meiner Frau und mir immer wieder wett gemacht wurden. Ein Forum oder Internet gab es derzeit nicht und ich hatte davon auch keine Ahnung.

Es begann 1991:

Nach jahrelangem Uhrlaub in Dänemark waren meine Kinder endlich so weit, auch mal mehr als 4 Stunden im Auto zu sitzen, ohne dass ich ihnen damit zuviel zumute. Mein Sohn war damals schon ein begeisterter Angler, ich hatte das eher sehr locker gesehen.

Nun kam das Land Norwegen dran. Irgendwie bekam ich durch einen Kollegen einen Katalog von einem Herrn Wehnen in die Hand. (Katalog? 14 Fotokopien zusammengeheftet) Dort waren schöne rote Holzhäuser drauf, die ich nach dänischem Standard beurteilte. Was mich gewundert hatte, das dort nie etwas stand, dass man Strom extra zahlen musste. Aber soviel konnte dass ja nun auch nicht kosten, war ja kein Schwimmbad dabei. Wir fanden die Hütten am Grønsfjord recht nett und ein Ruderboot war sogar im Preis inbegriffen. Es stand da zwar, dass man „beim netten Vermieter einen 4 PS – Motor mieten kann, aber für 200 DM die Woche, das hielt ich für übertrieben. Außerdem Rudern ist gesund, das stählt der Körper.

OK, buchen. Ich also ans Telefon und bekam den Herrn Wehnen nach etlichen Versuchen ans Ohr. Es sollten 3 Wochen werden, gebucht hatte ich 4 Wochen. „Typisch Mann, wenn man dich mal etwas machen lässt!“ Wer das sagte, verrate ich hier nicht. Aber rückgängig wollte sie es auch nicht machen.

So das war dann erledigt. Nun mussten wir ja auch irgendwie über das Skagerrak, also Fähre. Es gab da ja nur eine von Hirtshals nach Kristiansand. Man hatten die Preise! Aber da mussten wir nun durch.

Dann kam endlich der Tag der Abreise. Voller konnte das Auto mitsamt dem Anhänger nicht sein. Im damaligen Audi 100 passte ja schon viel rein, aber auch der kleine Heinemann-Anhänger brauchte auf der Hinfahrt einige Pausen, weil die Minireifen recht warm wurden.

Rauf auf die Fähre. Mit Staunen wurde die Skagen betrachtet. Sogar Eisenbahnschienen führten da rein. Beeindruckend. Die Fahrt verlief wie im Fluge.

Dann raus aus dem Dampfer und meine Frau als Navigator mit der Karte in der Hand. Die freundliche Dame sagte dann öfters: „hier links ab“, ich fuhr dann rechts, denn wir waren schließlich schon länger verheiratet. So kamen wir dann zur ersten Tankstelle, denn ich dachte damals, hier in Norwegen haben die eigene Ölquellen, also ist das Benzin deutlich billiger als in Dänemark. Nach dem Tanken und 2 Taschentücher für die Tränen, war ich schlauer. Bei der Weiterfahrt hatte ich ein Problem, ich musste auf die Straße achten, aber die Landschaft hatte mir die Sprache genommen. Immer wieder hielt ich auf den Parkplätzen an. Meiner Frau ging es nicht anders. Auf den billigen Plätzen (Rückbank) kamen schon die ersten Proteste: „Sind wir bald da?“ (Schnautze, ihr könnt ja laufen. Waren meine Gedanken.)

Ich glaube wir hatten 2 Stunden benötigt. Verfahren hatten wir uns nicht, denn mein „Navi“ funktionierte einwandfrei!

Wir kamen auf einem Bauerhof an. Der Eigentümer zeigte uns den Weg und sagte nur: „Vorsichtig, der Weg ist steil. Aber oberhalb der Hütte ist ein Parkplatz für uns.“ Der Weg war wirklich steil, hinter der Motorhaube war die Straße erst einmal nicht zu sehen. Das ist ja was für einen Norddeutschen. Bei uns hatte man ja damals die Berge geharkt und Kartoffel gepflanzt. Hier hat man alles so krumm gelassen. Ich also das Teil runter, links ging das dann auf den Parkplatz. Wenn ich gerade drauf fahre, hab ich den Anhänger hinter mir, irgendwie blöd, wenn ich da wieder weg will. Also fuhr ich ein Stück weiter, um rückwärts mit dem Anhänger auf den Parkplatz zu kommen. Theorie und Praxis ist in einem Land mit Bergen doch sehr unterschiedlich. Die Reifen drehten durch und nach einigen Versuchen bekam ich den Anhänger tatsächlich auf den Parkplatz. Den Rest könnte man ja per Hand machen. Beim Aussteigen vernahm ich dann auch noch den strengen Geruch einer Kupplung, die sicherlich schon glühte. Meine Frau und ich packten den Anhänger und mit letzter Kraft verhinderten wir, dass das Luder den Abhang hinunter in die Hütte saust. Fertig mich Jack und Büx führten wir jetzt die Kinderarbeit ein. Da der Parkplatz laut Beschreibung 30 m vom Haus entfernt war, war das ja auch nicht so schlimm. (10m Höhenunterschied auf einem Trampelpfad)

Na wir hatten alles ausgeladen und saßen nun beim ersten Kaffee in Norwegen. Der Blick von der Terrasse direkt auf die Bucht, Phantastisch schön. Dann kam unsere Tochter (8 Jahre) mit entsetztem Gesicht rein: „Mama auf die Toilette geh ich nicht!“ Plumsklo, so etwas kannte sie ja nun gar nicht. Meine Frau zeigte ihr, wie schön das Ding ist, wenn man die Tür auf lässt. Das einzige Klo mit Ausblick auf den Fjord! Das kam an und unsere Tochter drohte nicht zu platzen, wenn wir dort 4 Wochen bleiben. Mein Sohn war dabei, eine Antenne für sein Radio zu basteln, damit er vernünftige Musik hören konnte. Ich hatte so um die 100 Meter dünnen Draht im Auto. Der sollte eigentlich zuhause für andere Dinge herhalten. Diese 100 m waren schon nach einer Stunde in den Bäumen am Hang verarbeitet. Auf Kurzwelle bekam er dann auch einen Sender, der ihm gefiel.
 

Ein Blick auf die Uhr: „Schreck lass nach, es war 23.30 Uhr und nichts mit Dunkel!“ Die Gören noch hellwach.


Alles erste Eindrücke und normales Chaos.

Geschlafen hatten wir bis 11.00 Uhr. Dann die Angeln geholt und ab ins Boot. Nach so 20 Ruderschlägen waren wir schon gut weit in der Bucht raus und der Wind schob uns zum Ausgang der Bucht. Angeln jetzt? Nicht mit mir. Ich in die Riemen gestemmt und gegen die Drift gerudert. Nach einer halben Stunde war ich wieder am Steg und ging zum netten Vermieter um mir einen Motor zu mieten. Als mein Sohn (11) das mit dem Motor mitbekam, war seine miese Laune wie verflogen. So gegen 16.00 Uhr kam Hunger auf und es gab Mittag. Um 18.00 Uhr dann mit Motor und 4 Personen auf den Fjord. Die ersten Angeln wurden fertig gemacht und mit Opas Ostseepilkern behangen. Kaum waren die ersten Pilker unten, bissen die ersten Dorsche an. An 2 Angeln riss die Schnur, an einer Angel ging der Fisch wieder ab und mein Sohn bekam einen Dorsch von rund 70 cm ins Boot. Nach weiterem Materialverlust beschlossen wir uns am nächsten Tag neue Schnur zu kaufen. Immerhin hatte Opa damit vor 10 Jahren das letzte Mal geangelt.

Nächsten Tag in Lyngdal. Genau an der Straßenkreuzung ein Angelladen. Rein und gleich nach Schnur gefragt. Er zeigte mir einige Stärken, als ich ihm dann erklärte, dass ich nur im Meer angeln wollte, kam er mit so einer „Garnrolle“ an. „Das ist das Beste fürs Meer“. Na ja, er sollte das wissen. Sah etwas wenig aus, also lieber 3 Rollen gekauft. An der Kasse sprach das Gesicht meiner Frau Bände. Sie hatte das norwegische Geld. Danach erst mal zur Bank neues Geld kaufen.

In der Hütte kam dann das lustige Aufspulen. Erste Rolle voll, 2. Rolle voll und immer noch die erste Schnurspule am Wickel. Wer lesen kann ist natürlich im Vorteil, der hätte auch das Schild entdeckt: „1.200 m“. Die 40-er Schnur wird aber bestimmt halten.

Also raus ins Boot und angeln. Diesmal hielt die Schnur, auch wenn sich ein Pilker nach dem anderen am Boden festgefressen hatte. Der Pilkervorrat wurde bedenklich dünner. Aber Fische hatten wir auch genug. Das Verhältnis war beinahe 1:1. Also zu einem Kilo Pilker kam ein Kilo Fisch. Meine Tochter (8 J.) bekam dann auch ihren 5 kg Dorsch auf ihre Kinderangel. Eine Teleskopangel aus Metall aus einem Angebot, fertig mit Schnur und Rolle. Erstaunlich, dass die Rute hinterher nicht in dem Bogen geblieben ist.

 

 

 

 

 

Nach dieser Tour war erst einmal das Angeln untersagt. Wohin mit dem vielen Fisch? Meine Frau schwang erst einmal die Bratpfanne. Lecker, alle waren zufrieden. Das änderte sich aber nach 3 Tagen. „Ich will auch mal etwas anderes als Fisch essen!“ war die maulige Beschwerde der Kinder. Eine Nachbarin brachte dann ein Rezept für Fischgulasch vorbei. Das sorgte dann dafür, dass der Restfisch auch noch aufgegessen werden konnte. Danach gab es dann immer nur jeden 2. Tag Fisch. Dass man den Fisch einfrieren und mitnehmen kann, davon waren wir damals noch weit ab. Das kam erst im nachfolgenden Jahr.

Nächste Angeltour. Raus auf den Fjord. Mal hier versucht, dann dort. Wie es dann immer so mit den Mädels an Bord ist: „Ich muss mal!“ Kein Problem. Bei der Insel Forøyerne im Grønsfjord sah ich eine Stelle, wo man gut anlegen konnte. Also langsam vorwärts zwischen die flachen Felsen mit dem Bug rein gefahren. Meine Frau nahm die vorderste Leine und stieg mit ihren Holzklogs auf den Felsen. Der 2. Schritt war ein Fehlschritt und ab ins kühle Nass. Sie hielt nur ihren linken Arm nach oben und rief: „Meine neue Uhr!“ Meine Kinder auf der Mittelbank machten eine Paniksperre, sodass ich nicht vorbei kam und riefen nur in voller Panik: „Mama, Mama!“ Als ich dann endlich im Bug angekommen war, kam meine Frau schon selbstständig aus dem Wasser raus. Mein Sohn fing dann noch mit dem Kescher die beiden Holzklogs ein und warf sie an Land. Nun war erst einmal Landgang angesagt. Einige trockne Klamotten hatten wir noch im Boot und die Sonne machte den Rest. So lernten wir dann auch diese Insel mal richtig kennen.

Durch viele Fahrten mit dem Auto lernten wir auch die Umgebung kennen. Ob es nun Mandal, Flekkefjord, Egersund war, es war jedes Mal nur schön.

Ein Nachteil hatte die Hütte aber, morgens so um 4.00 Uhr kamen die Schafe vom Eigentümer immer über den Berg und besuchten die Hütte. Eigentlich nicht schlimm, wenn sie nur ruhig gewesen wären. An einem Morgen jedoch, saßen wir kerzengerade im Bett, weil wir den Schrei unserer Tochter im Ohr hatten: „Schnauze du blödes Schaf!!“ Das Schaf stand nämlich direkt unter ihrem Fenster und rief ihre Jungen.

Diese 4 Wochen in Südnorwegen waren prägend. Danach gab es kein Dänemark mehr. Auch für meine Kinder ist es bis Heute so geblieben.

 

Hoddel


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